Spätsommer an der Mosel: eine Hochzeit im alten Ritus

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Q. Susanne, erzähl uns doch ein wenig über Herr und Frau Michels.
A. Jens (27) und ich (24) haben uns ein Jahr vor unserer Hochzeit verlobt. Wir kennen uns schon seit unserer Kindheit. Unter der Woche leben wir in Mainz, wo wir beide studieren. Ich arbeite dort außerdem als Werkstudentin in einem jungen Startupunternehmen. Die Wochenenden verbringen wir in unserem Heimatort Cochem. Mein Mann Jens arbeitet dort als Klavierlehrer und Pianist.

 

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Q. Wie kamst du zur alten Messe?
A. Im Jahr 2008 besuchte ich zum ersten Mal eine alte Messe. Ich hatte schon ein wenig über einen Priester im Nachbarort gehört, der begonnen hatte, die Frühmesse an den Sonntagen im alten Ritus zu zelebrieren, war aber nie dort gewesen. Einige Tage nachdem wir zusammengekommen waren lud Jens mich ein, ihn zu begleiten. Ich erinnere mich, dass mich vor allem die Stille beeindruckte, und die Feierlichkeit der doch so schlichten Messe berührte mich. Ich glaube, dass ich dort zum ersten Mal im Leben das Gefühl hatte, wirklich beten zu können. Bald begann ich, mehr über den außerordentlichen Ritus zu lernen und ich lerne immer noch dazu.

 

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Q. Wie reagierten eure Gäste auf eure Hochzeitsmesse?
A. Einige von ihnen kannten die lateinische Messe noch aus ihrer Kindheit oder dem frühen Erwachsenenalter. Manche hatten seitdem nie mehr eine solche Messe besucht. Unter ihnen waren auch meine Großeltern. Als er erfuhr, dass ich mit Jens regelmäßig die Messe im außerordentlichen Ritus besuchte, schenkte mir mein Großvater seinen alten Schott. Er freute sich sehr über die Nachricht, dass wir im alten Ritus getraut werden wollten. Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen – er schwärmt er immer noch davon. Einige der Gäste erlebten zum ersten Mal eine Trauung im außerordentlichen Ritus oder waren noch nie in den Genuss eines Levitenamts gekommen. Für die meisten aber, vor allem Freunde und Verwandte in unserem Alter, war die Messe im außerordentlichen Ritus völliges Neuland. Die einen waren neugierig, die anderen skeptisch – letztere schienen überrascht, dass die Messe weder seltsam noch langweilig war. Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Fast alle Gäste empfanden die Messe als besonders feierlich und bewegend.

 

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Bei der Planung wurde uns früh klar, dass sich nicht jeder mit dem Gedanken anfreunden kann, dass Messen im alten Ritus gefeiert werden – hier stießen wir auch innerhalb der Kirche auf heftigen Gegenwind.Auch deshalb sind wir so dankbar für all die Hilfe, die uns während der Planung zuteil wurde und die wir auch jetzt als Ehepaar erfahren dürfen. Eine große Hilfe war Pater Dr. Georg Fischer OT, Jens’ ehemaliger Dozent an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der momentan in Brasilien lebt und arbeitet. Er begann, den alten Ritus zu lernen, als wir ihn baten, uns zu trauen. Schon lange spielte er mit dem Gedanken – und nun hatte er die passende Motivation. Wir sind ihm zutiefst dankbar für das, was er für uns getan hat. Unser Fels in der Brandung war Daniel Kretschmar, der Kaplan in Salzburg ist und in unserer Messe das Diakonamt übernahm. Jens und er studierten zusammen katholische Theologie – Jens wird Lehrer, Daniel ist nun Priester. Er wurde im außerordentlichen Ritus geweiht und brachte viel Erfahrung mit. Wenn es besonders stressig wurde, erinnerte er uns, dass wir nur vertrauen mussten. Am Morgen der Hochzeit hörte er unsere Beichten.

 

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Q. Gab es Überraschungen?
A. Pater Daniel Bartels aus Trier war der Subdiakon – er musste kurzfristig einspringen. Wir haben in an Palmsonntag 2013 kennengelernt. Die Gemeinde brauchte einen Organisten, mein Mann erklärte sich bereit, die Messe zu begleiten. Seitdem fahren wir – soweit es uns möglich ist – sonntags nach Trier. Wir wurden dort von einer liebenswürdigen Gemeinde und einem warmherzigen Priester aufgenommen. Nachdem der Priester, der in der Nähe von Cochem die alte Messe gehalten hatte, eine neue Gemeinde in der Schweiz übernahm, haben wir nun endlich das Gefühl, ein neues spirituelles Zuhause gefunden zu haben.  Die Messdiener aus der Gemeinde in Trier nahmen sich Zeit, um mit P. Bartels noch einmal für das levitierte Hochamt zu üben und brachten auch ihre Familien zum Brautamt mit. Viele andere Mitglieder der Gemeinde kamen ebenfalls – welch schönes Geschenk!

 

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Q. Gab es besondere Herausforderungen?
A. In vielen Kirchen, bzw. Sakristeien, fehlt heute leider die Ausstattung für Messen im außerordentlichen Ritus, beispielsweise Gewänder für ein levitiertes Hochamt. Auch hier waren wir auf fremde Hilfe angewiesen, die wir überall bekommen haben. Da auch nicht viele Organisten genug Erfahrung mit alten Messen haben, mussten wir improvisieren: Einer der Trauzeugen, Jens’ Freund und ehemaliger Klavierlehrer, konnte selbstverständlich während der Trauung selbst nicht an der Orgel sitzen, weshalb sich dankenswerterweise ein weiterer Organist bereiterklärte, den ersten Teil der Messe zu begleiten. Natürlich gibt es heute nicht immer und überall die perfekten Bedingungen für eine Messe im außerordentlichen Ritus. Mit dem nötigen Gottvertrauen und der Hilfe vieler Menschen, die die Schönheit der Messe im außerordentlichen Ritus schon entdeckt haben, wird eine würdige und feierliche Messe zu Ehren Gottes möglich.
Wie viele Menschen hatten nie die Chance, eine solche Messe zu besuchen? Wer sie einmal erleben durfte, erkennt, welch tiefe Wahrheit in ihr steckt.

 Fotos: Karin Scheuer, Cochem (Deutschland)

EINE ATHEISTIN IN DEUTSCHLAND

von Tamara Isabell

Im Alter von 17 Jahren stolperte ich über die Idee des moralischen Relativismus. Für mich war die Unterscheidung von „richtig“ und „falsch“ selbstverständlich reine Abstraktion. Das wahrscheinlich fast unvermeidliche – es führte mich direkt in den Atheismus.

Es war 1989 und ich war der einzige Atheist, den ich kannte. Ich war lächerlich verliebt in mein eigenes Philosophieren und glaubte,  mich mutig und gewagt in meiner „Gottlosigkeit“.

Zehn Jahre später war ich die Frau eines Luftwaffenoffiziers, abkommandiert nach Deutschland. Ich verliebte mich von Beginn an in die Deutsche Kultur, in ihre Handwerksgeschichte, die sichtbar war in jedem Torbogen und Kopfsteinpflaster, eine Geschichte, die in unserer amerikanischen Landschaft fehlt.

Letztendlich blieben wir fast fünfzehn Jahre in Deutschland.  Zwei unserer drei Kinder wurden dort geboren. Mit der Zeit sprach ich immer flüssiger die deutsche Sprache, indem ich mich über Praktika in ihr Gemeinschaftsleben einbrachte,  Vor allem durch meinen ältesten Sohn, der seit den frühesten Kindertagen deutsch im Kindergarten sprach, um im Alter von sechs Jahren in die Grundschule zu kommen. Mein Leben drehte sich um seine Schule und seinen Spielzeitplan; die Mütter seiner Spielfreundinnen wurden meine lieben Freundinnen.

Die meisten Jahre dieser Zeit wurden in Würzburg verbracht, der „Stadt der Kirchen“ und Anbaugebiet des Frankenweines. Ich machte meine täglichen Einkäufe inmitten der beeindruckendsten Architektur. Ich liebte es in der prunkvollen Kapelle der Hofkirche einen Halt einzulegen, ließ mein Auge den vergoldeten Wirbeln der barocken Überschwänglichkeit folgen, immer in Richtung Decke. Regelmäßig ging ich zum 900 Jahre alten Dom, mit schnellen Schritten vorbei an den großen Skeletten über dem Seiteneingang.

Mein täglicher Ausblick wurde dominiert von Dom, Kirchen und Glockentürmen, mein Tag wurde bemessen von Kirchenglocken; ich blieb Atheist. Ich betrachtete dies alles mit der Neugier eines Museumsgaffers, diese christliche Welt um mich herum konsumierend wegen des ästhetischen Wertes,  niemals in Betracht ziehend, daß da mehr sein könnte.

photo(10)Mein täglicher Ausblick wurde dominiert von Dom, Kirchen und Glockentürmen, mein Tag wurde bemessen von Kirchenglocken; ich blieb Atheist.

Fast alle meine deutschen Freunde waren katholisch. Ich fand mich ergriffen von ihren Bräuchen, sie halfen meinem Sohn seine angezündete Kerze im Wind zu halten im Martinszug der Kinder,  erlaubte, dass mein Haus am Dreikönigstag von den Nachbarskindern mit Kreide beschriftet wurde, die als die Drei Könige verkleidet waren und unser Haus segneten.

Durch dies alles hindurch, blieb ich in einer sturen intellektuellen Bindungslosigkeit. Ich beobachtete und machte in Freude mit, aber ich  fand dies alles lediglich faszinierend, in einem streng anthropologischen Sinne. Ich war noch Atheist, noch stolz in Opposition zur Religion, in ihren rückwärts gerichteten Äußerungen.

Dann passierte etwas Befremdliches. So wie die Jahre vorbei gingen und meine Verehrung der deutschen Kultur nachließ, fand ich es irgendwie schwieriger, sie von akademischer Warte aus zu betrachten.

Schaue lange genug auf eine Statue des heiligen Dionysius und du findest dich selbst wieder mit der Frage, wie es sein kann, seinen eigenen Kopf in den Händen zu halten.

Umgeben von so viel christlicher Kunst begann ich, auf immer wiederkehrende Themen  zu fokussieren – was hatte es damit auf sich?

Natürlich, wie alle Kunstliebhaber vor mir und nach mir, erklärte ich solche Symbole mit mythologischen Begriffen.
Ich tat dies viele Jahre lang, aber letztendlich können solche Erklärungen nicht befriedigend sein bei einem der überwältigensten Themen der christlichen Kunst, das man nirgends sonst findet. Ich beziehe mich hier auf das Thema des Leidens.

photo(8)Natürlich, wie alle Kunstliebhaber vor mir und nach mir, erklärte ich solche Symbole mit mythologischen Begriffen. Ja, warum hält der Heilige aus Stein seinen Kopf in seinen Händen?

Ja, warum hält der Heilige aus Stein seinen Kopf in seinen Händen? Warum fährt die heilige Lucia andauernd fort, ihre ausgestochenen Augen auf einem goldenen Tablett zu präsentieren? Was ist mit Christus am Kreuz?

Langsam begann ich ein Gefühl für die Stimmen des vergangenen Mittelalters zu entwickeln; es war, als wollten sie versuchen, mit mir durch die Bilder und Statuen, die sie uns hinterlassen hatten, zu kommunizieren. Ich begann mich zu wundern über die Strukturen, die sie errichtet hatten; sie standen als ein Zeugnis für etwas anderes, vielleicht für etwas anderes als der patriarchalische Kirchenstaat, den ich immer verachtet hatte. Ich entwickelte das dringende Gefühl, dass dies nicht der Grund für die Schöpfung solcher Schönheit sein konnte.

An diesem Punkt trat Gott spürbar in mein Leben ein, mir Seine Wahrheit durch Gespräche mit gläubigen Katholiken und Schriften längst verstorbener Heiliger offenbarend. Traurig; ich konnte nur intellektuelle Argumente für den Katholizismus finden und Aufmunterungen zur Konversion finden, und zwar unter meinen amerikanischen Freunden, meine deutschen Freunde schienen ratlos.

Ich werde niemals meine erste schüchterne Erkundigung bezüglich eines Messbesuchs bei einer Deutschen vergessen – und meinen Schock als sie mir sagte, dass sie niemals zur Sonntagsmesse ginge, genauso wenig samstags abends vorher. Die meisten meiner deutschen Freunde, die mir so katholisch in ihren Sitten vorkamen, wollten nur im Urlaub, für eine Taufe oder andere sakramentale Riten zur Messe gehen.

Ich mußte zu meinen amerikanischen Freunden gehen, um eine uneingeschüchterte, freudige Evangelisierung zu finden. Jedoch, die Wurzeln meiner Bekehrung wurden grundgelegt inmitten der Reste des Glaubens, die durch die Schönheit der deutschen katholischen Kultur hindurch strahlten.

Ich werde für immer diesem Land und seinen Menschen dafür dankbar sein, den Funken geschlagen zu haben, der letztendlich mein Leben durch Gott erhellte.

photo(9)Die meisten meiner deutschen Freunde, die mir so katholisch in ihren Sitten vorkamen, wollten nur im Urlaub, für eine Taufe oder andere sakramentale Riten zur Messe gehen.

Katholische Kirche in Deutschland – droht ein neues Schisma?

von Dr. med. Stefan Schilling

Knapp 500 Jahre nach dem von Deutschland ausgehendem Schisma Martin Luthers sieht es so aus, als ob erneut von der Kirche in den deutschsprachigen Ländern eine Spaltung ausgehen könnte.

Die deutsche katholische Kirche ist eine der reichsten Kirchen der Welt. Grund dafür ist eine Konstruktion, die weitgehend einmalig auf der Welt ist. Der deutsche Staat zieht über das Finanzamt die Kirchensteuer für die Kirche ein (meist 9% der Einkommenssteuer), für diese Leistung wird der Staat von der Kirche bezahlt. Das sichert der Kirche einen erheblichen regelmäßigen Geldzufluss, so bekam die deutsche Kirche alleine 2012 auf diesem Weg mehr als 5 Milliarden Euro. Dieser Reichtum hat dazu geführt, dass der Apparat der Kirchen so aufgeblasen ist wie sonst nirgendwo auf der Welt. Unzählige Menschen leben von dieser Kirchensteuer, die Kirche hat sich allerdings dadurch auch in zahlreiche Abhängigkeiten vom Staat und der „Welt“ begeben. Auch hat sie in Wirtschaftszweige investiert, die mit dem eigentlichen Auftrag der Kirche nichts mehr zu tun haben. So besitzt die Kirche in Deutschland u.a. mit „Weltbild“ einen der größten Buchverkaufsketten. Und da es dabei nicht mehr in erster Linie um gute katholische Literatur geht, sondern diese Läden Gewinn machen sollen, wird zeitgeistgemäß auch Pornographie, Esoterik, Satanismus uvm. angeboten. Der gläubige Katholik finanziert mit seinen Kirchensteuern also auch solche Aktivitäten mit. Kann er sich dem entziehen und seinen Kirchenbeitrag wirklich katholischen Zwecken widmen? Das soll er mal versuchen. Abmelden muss er seine Kirchensteuerzahlung bei einer staatlichen Stelle. Und nach Auffassung der katholischen Kirche in Deutschland tritt er mit der Abmeldung von der Kirchensteuer auch aus der kath. Kirche aus. Mit allen Konsequenzen: Verbot an Sakramenten teilzunehmen, keine Ämter mehr in kath. Einrichtungen, ja selbst der Ausschluss von einer katholischen Beerdigung wird angedroht – also letztendlich eine Exkommunikation.

Und die kath. Kirche  in Deutschland hat durch ihr Vermögen offensichtlich viele Möglichkeiten, ihrer Sicht der Dinge bzgl. der Kirchenfinanzierung in Rom Gehör zu verschaffen, obwohl es eine solche Verbindung von Geldzahlung und Sakramentenempfang so sonst nirgendwo gibt. Das ist moderner Ablasshandel und Simonie in Reinstform.

Führt der Reichtum der Kirche in den deutschsprachigen Ländern denn wenigstens zu einem lebendigem Glaubensleben? Das Gegenteil ist der Fall. Selbst Kardinal Meisner aus Köln hat schon den Vergleich einer großen luxuriösen Karosserie mit einem viel zu kleinem (Glaubens)Motor geprägt.

Führt der Reichtum der Kirche in den deutschsprachigen Ländern denn wenigstens zu einem lebendigem Glaubensleben? Das Gegenteil ist der Fall.

Die Abhängigkeit von Geld und staatlichen Instanzen führt dazu, dass die Kirche in Deutschland immer mehr versucht, sich dem Geist der heutigen Zeit anzupassen, statt katholische Grundsätze zu lehren und zu vertreten. So ist die Kirche in Deutschland erheblich von modernistischen Strömungen geprägt, die diese „modernen“ Inhalte auch und gerade gegen Rom durchsetzen wollen. Da Stellen in den kirchlichen Apparaten praktisch nur mit Leuten besetzt werden, die dieser „Zeitgeistausrichtung“ angehören, ist es kaum noch möglich, als glaubens- und romtreuer Katholik in Deutschland in „der Firma Kirche“ etwas zu werden. Und das geht weit in die Führungsstrukturen bis in die Bischofssitze hinein. Und das hat Folgen.

So haben sich die deutschen Bischöfe schon 1968 von der Enzyklika „Humanae vitae“ Papst Paul VI. abgesetzt und in der berüchtigten „Königsteiner Erklärung“ die Frage der Empfängnisverhütung zu einer reinen Gewissensentscheidung des Einzelnen gemacht. Ähnliche Erklärungen gab es auch in der Schweiz und in Österreich. Ein ungeheuerlicher Affront gegenüber Rom und dem damaligen Papst. Bis heute ist keine dieser Erklärungen wieder zurückgezogen worden.

Noch schlimmer wurde es bei dem Thema der Abtreibungsgesetzgebung in Deutschland. Eine Abtreibung blieb vom Staat aus straffrei, wenn vorher eine Beratung mit Ausstellung eines entsprechenden Beratungsscheins stattgefunden hat. Auch wesentliche Teile der katholischen Beratungsstellen wollten sich in dieses System weiter einbinden lassen, obwohl dann ein „katholischer Beratungsschein“ die Erlaubnis zu einer Abtreibung bedeutet hätte. Papst Johannes Paul II. hat lange durch Überzeugungsarbeit versucht die deutsche Kirche von diesem Irrweg abzubringen – ohne Erfolg. Einflussreiche Kirchenleute wie der spätere Kardinal Lehmann, damals Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, kämpften verbissen um den katholischen Beratungsschein. Erst ein Machtwort des Papstes hat dieses Treiben dann 1999 beendet – damals hörten die Bischöfe zähneknirschend noch weitgehend auf Ihn. Der damalige Limburger Bischof Kamphaus entzog sich allerdings schon damals dem Gehorsam und ließ in den Limburger Beratungsstellen noch bis 2002 Scheine ausstellen. Erst dann beendete der Papst auch diesen Alleingang, ließ den Limburger Bischof aber (leider) weiter im Amt.

War die katholische Kirche in Deutschland denn jetzt bzgl. der Abtreibungsfrage wenigsten einsichtig geworden? Weit gefehlt. Fast zeitgleich wurde der Verein „Donum vitae“ begründet, mit dem kath. Laien weiter Schwangerschaftskonfliktberatung betrieben und den Abtreibungsschein ausstellten. Oft unterstützt durch kirchliche Mitarbeiter und durchgeführt in der Kirche gehörenden Räumlichkeiten. Aber formal eben nicht mehr „Kirche“, sondern ein privater Verein. Welche Heuchelei!

War die katholische Kirche in Deutschland denn jetzt bzgl. der Abtreibungsfrage wenigsten einsichtig geworden? Weit gefehlt.

In der Diözese Limburg des früher für den Abtreibungsschein kämpfenden Bischof Kamphaus wurde als dessen Nachfolger ein romtreu katholischer Bischof eingesetzt, um den dort entstandenen Schaden zu reparieren. Von den Modernisten der Diözese wird in diesen Tagen der Vorwand von gestiegenen Baukosten bei der Renovierung des Bischofssitzes benutzt, um den Bischof zu vertreiben. Von der Kanzel predigen Priester gegen ihren Bischof und lassen nach der Messe Unterschriften gegen ihn sammeln. Wo gibt es sonst so etwas auf der Welt. Und dem Bischof wird nicht etwas Missbrauch von Kindern oder ähnlich schlimmes vorgeworfen, sondern eigentlich nur, dass er wirklich katholisch und romtreu ist – alle anderen Vorwürfe wie die gestiegenen Baukosten sind nur ein Ablenkungsmanöver.

Und dem Bischof wird nicht etwas Missbrauch von Kindern oder ähnlich schlimmes vorgeworfen, sondern eigentlich nur, dass er wirklich katholisch und romtreu ist – alle anderen Vorwürfe wie die gestiegenen Baukosten sind nur ein Ablenkungsmanöver.

Ein weiterer bis in die heutigen Tage schwelender Konflikt dreht sich um die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten. Die Haltung der Kirche ist da glasklar: Wer kirchlich geheiratet hat, dessen Beziehung nicht kirchlich annulliert wurde und dessen Partner noch lebt, begeht mit jeder neuen eheähnlichen Beziehung einen Ehebruch und damit eine schwere Sünde. Wie alle, die in schwerer Sünde leben, darf er nicht zu den Sakramenten hinzutreten. Er muss zunächst beichten, seine Beziehung beenden und den festen Vorsatz haben, keinen Ehebruch mehr zu begehen.

Das ist natürlich in einer Gesellschaft schwer vermittelbar, in der ein früherer Bundeskanzler vier mal verheiratet war und der jetzige Bundespräsident ungeschieden seit Jahren mit einer anderen Frau zusammenlebt. Also haben auch hier zahlreiche kath. Bischöfe in Deutschland schon lange den Wert des Ehesakramentes aufgegeben und werben unter dem „Deckmantel der Barmherzigkeit“ für die Wiederzulassung der wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten. Schon 1993 haben die Bischöfe Lehmann (später Kardinal geworden), Kasper (ebenfalls später Kardinal geworden) und Sailer einen entsprechenden Vorstoß in Rom unternommen. Doch damals wurde noch vom damaligen Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, die gesamtkirchliche Haltung durchgesetzt.

Unter dem jetzigen Papst und nach vergangenen weiteren 20 Jahren scheint man sich seiner Sache sicher zu sein: in der Diözese Freiburg des emer. Vorsitzenden der kath. Bischofskonferenz Erzbischof Zollitsch wurde dieser Tage eine Handreichung veröffentlicht, die einen weitestgehend liberalen Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen vorgibt, selbst eine Art „Ritual“ für eine „Trauung“ wird vorgeschlagen. Der jetzige Präfekt der Glaubenskongregation Erzbischof Müller (aus der deutschen Diözese Regensburg stammend) hat wieder, wie vor 20 Jahren schon Kardinal Ratzinger, klargestellt, dass dies nicht möglich ist und die katholische Sichtweise  des Ehesakramentes begründet und bekräftigt.

Aber im Jahr 2013 hat man es offensichtlich nicht mehr nötig auf ihn zu hören: selbst der im Beratungsgremium von Papst Franziskus sitzende Kardinal Marx von München sagt nun, dass der Präfekt der Glaubenskongregation die Diskussion nicht beenden könne. Andere Bischöfe wie der Bischof Ackermann von Trier springen ihm bei. Eine öffentliche Äußerung eines anderen Bischofs, die die römische katholische Linie unterstützen würde, hört man nicht.

Das ist der offene Affront gegen Rom. Ein drohendes Schisma!

Was soll der Papst noch tun, selbst wenn er etwas tun wollte (was mir nach „Evangelii gaudium“  nicht mehr so sicher ist)? Setzt er die katholische biblisch begründete Haltung aller Zeiten durch und stärkt das Ehesakrament, dann droht das offene Schisma der deutschsprachigen Kirche. Unterhalb der Oberfläche ist die deutsche Kirche schon lange schismatisch – die obigen Beispiele mögen das belegen.

Was soll der Papst noch tun, selbst wenn er etwas tun wollte (was mir nach „Evangelii gaudium“  nicht mehr so sicher ist)?

Es ist schon bitter: Zwar kann ich als Katholik in Deutschland ehebrechen und werde dennoch auch ohne Beichte, Reue und Umkehr „barmherzig“ zu den Sakramenten gebeten. Wehe aber, ich bin nicht mehr bereit diesen Weg der deutschen Kirche mit meiner Kirchensteuer auch noch mit zu finanzieren und möchte mein Geld nur noch wirklich katholischen, glaubens- und romtreuen Projekten und Gemeinden geben. Dann ist Schluss mit der Barmherzigkeit: Ich darf keine Sakramente mehr empfangen und mir wird sogar gedroht ohne  kirchlichen Beistand begraben zu werden.

Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Freiburger Rede 2011 bei seinem letzten Deutschlandbesuch „Entweltlichung“ angemahnt. Er wusste, was in Deutschland los ist. Und ich bin mir sicher, dass bei seinem Rücktritt vom Papstamt auch das „Problem Deutschland“ eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat. Gegen diesen durch Kirchensteuerreichtum aufgeblasenen Moloch anzukämpfen fehlten ihm zuletzt die Kräfte. Hoffen wir, das Papst Franziskus sich nicht durch das Geld aus Deutschland erpressen lässt (die deutsche Kirche ist auch einer der Hauptgeldgeber  des Vatikans), und den Schismatikern aus Deutschland klar die Grenzen weist – und wären sie auch Kardinäle.

Aber ich fürchte, dass sich die Kirche in Deutschland durch so manches Signal aus Rom der letzten Monate eher in ihrem Bestreben eine „deutsche Nationalkirche“ zu werden bestärkt sieht.

Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Freiburger Rede 2011 bei seinem letzten Deutschlandbesuch „Entweltlichung“ angemahnt. Er wusste, was in Deutschland los ist.

Der Albtraum jedes Modernisten

Eine neue Renaissance der Sakralkunst

von Donna Sue Berry

Die hohe Kunst der Holzschnitzerei ist in allen traditionellen Kirchen Deutschlands deutlich erkennbar – inspiriert von den ausgedehnten Wäldern des Landes, so sagen viele. Leider überschwemmte im Laufe des 20. Jahrhunderts, besonders in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, ein regelrechter Bildersturm die deutsche Kirche.

In einem Anfall von schwindendem Klerikalismus wurden viele Kirchen ihrer heiligen Kunstwerke beraubt. Selbst heute noch werden diese Arbeiten, obwohl heimlich von den Menschen sehr geliebt, von der führenden deutschen Elite häufig abgelehnt.

Doch auch Ideologie und Ikonoklasmus sterben langsam aus. Das folgende Interview von Donna Sue Berry ist ein deutliches Indiz dieser heilsamen Entwicklung – die Geschichte eines Familienunternehmens von Sudtirol, das gerade bei der Nachfrage ihrer erstaunlich schönen Arbeiten einen Aufwind erlebt.

Auch nach 140 Jahren und 5 Generationen hört die Familie Ferdinand Stuflesser nicht auf, Kirchenrestaurierungen der außerordentlichsten Sorte zu vollbringen, in dem festen Glauben dass solch würdevolle Kunst auch das Beten beflügelt. Zu ihren Auftraggebern gehört der Vatikan ebenso wie Kathedralen und Kirchen weltweit.

Die Stuflessers fertigen all ihre Holzschnitzarbeiten in ihren Werkstätten in Ortisei, Italien, wo sie auserlesene Materialen höchster Qualität verarbeiten. Ihre Arbeit beinhaltet Altäre und handgemachte Statuen aus Holz, Bronze und Marmor.

Die Brüder Filip und Dr. Dr. Robert Stuflesser, Familienmitglieder der fünften Generation, werden von ihren Kunden weltweit sehr geschätzt für ihre hochmoderne Handwerkstechnik, die garantierte ausgezeichnete Qualität und ihr unermüdliches Streben sich weiter zu verbessern.

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Q: Robert, haben Sie bemerkt, dass von denen, die ihre Kirchen traditioneller ausschmücken möchten, ein wachsendes Interesse an Statuen ausgeht? Können Sie mir sagen, was diese Menschen wollen?

Ja, während der letzten Jahre ist mir aufgefallen, dass die Leute zurückkehren zu althergebrachten Statuen und Innenausstattungen. Manche finden Gefallen an einem moderneren Stil, doch der Trend geht eindeutig hin zum Traditionellen. Auch die Kombination von moderner Architektur mit klassischen Schnitzarbeiten ist durchaus beliebt.

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1906 baute die Stuflesserfamilie diesen Altar, der noch immer in ihrer Gemeindekirche in Ortisei, Italien steht

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Q: Haben sie kürzlich irgendwelche traditionellen Altäre angefertigt?

Ja, wir hatten in letzter Zeit die Möglichkeit einige Altäre fertigzustellen. Keiner davon war modern, sie alle wurden in traditioneller Weise konstruiert. Einer der Hochaltäre die wir gebaut haben war die Kopie eines Altars, der während des Krieges zerstört wurde. Er ist über 8 Meter hoch und wurde von der Stadt Vukovar in Kroatien in Auftrag gegeben. Ein anderer Altar ging nach Schottland und war eigentlich die Rekonstruktion eines Altares, den wir vom Vatikan erhalten haben. Wir haben auch einen für eine Kirche in Burleson, Texas gebaut.

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Von den Stuflessers erbaut für eine katholische Kirche in Texas

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Unsere lange Erfahrung und unser Wissen wurden nahezu 140 Jahre lang von Generation zu Generation weitergegeben und erlauben uns jetzt, unsere Kunstwerke mit all diesen alten Techniken herzustellen, die schon vor hundert Jahren genutzt wurden. Natürlich werden diese Techniken verfeinert durch modernes Werkzeug. Alle Projekte werden individuell nach Angaben des Kunden gearbeitet, das ermöglicht uns jede Neuanfertigung perfekt auf die vorhandene Einrichtung abzustimmen.

Q: Was ist die Statue, die am häufigsten angefragt wird?

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Hl. Rita von Cascia, aus dem Hause Stuflesser

Das ist schwer zu sagen, weil wir ja traditionelle und moderne Statuen herstellen, aber die am meisten gefragten Figuren sind wahrscheinlich Christus, der Heilige Josef, die Gottesmutter in verschiedenen Ausführungen sowie Pater Pio, Mutter Teresa (Selige Teresa von Kalkutta), der Hl. Franziskus (von Assisi) und der Hl. Antonius (von Padua).

Q: Ihre Familiengeschichte ist so interessant! Hat Ihre Familie eine Lieblingskirche in die Sie immer gehen? Haben Sie auch die Plastiken dort geschnitzt?

Da wir alle in Ortisei leben wo auch unsere Werkstätten zu finden sind, ist unsere Lieblingskirche die Gemeindekirche hier vor Ort. Diese wunderschöne Kirche voller Schnitzkunst steht nicht weit von uns. Und ja, dort stehen auch ein paar „Ferdinand Stuflesser 1875“ Statuen und auch ein Hochaltar, der von uns gestaltet und der Kirche gespendet wurde.
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Q: Gibt es ein „spezielles Projekt“ an dem Sie arbeiten oder dass Sie in Zukunft gerne in Angriff nehmen würden?

Im Moment arbeiten wir tatsächlich an einem interessanten Projekt. Wir restaurieren einen gotischen Hochaltar den wir vor einiger Zeit mal gekauft haben. Wir passen ihn den besonderen Bedürfnissen einer Kirche in den Niederlanden an. Die noch existenten Teile werden mit neuen Teilen ergänzt um bestehende Lücken harmonisch auszufüllen.

Mein Traum für die Zukunft? Jede Menge maßgefertigte Bildhauerarbeiten aller Art, um viele Menschen glücklich zu machen und vielleicht auch eine für Papst Franziskus.

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Entwurf eines Hochaltars für eine katholische Kirche in den Niederlanden, umgesetzt von den Stuflessers

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Q: Gibt es für Sie eine besondere Kostbarkeit unter den Arbeiten der früheren Generationen, von Ferdinand Stuflesser I oder II oder von Johann Stuflesser hergestellt?

Ja, es gibt ein paar schöne Stücke die wir alle ganz besonders lieben: Eine Pieta (siehe Bild), eine Figur der heiligen Anna und eine Christusstatue. Das sind meine Favoriten.

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Hochaltar aus der Werkstatt der Stuflessers für eine katholische Kirche in Kroatien

Q: Robert, wenn es noch irgendetwas gibt das Sie zu diesen Fragen ergänzen möchten, dann erzählen Sie uns das bitte.

Zu ergänzen: Ich danke allen Menschen die unsere Statuen lieben und zu ihnen beten. Außerdem möchte ich allen unseren hoch geschätzten Facebook-Fans danken, die sich so viele unserer neusten Kreationen ansehen.

Zu erzählen: Ich liebe es mit so vielen Menschen rund um den Erdball zu kommunizieren und es gibt eine Sache die uns alle verbindet: den katholischen Glauben!

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Altar in Restauration für eine Kirche in Schottland

 

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Robert und Filip Stuflesser mit einem ihrer jüngsten Kunstwerke

(Hinweis des Herausgebers: Leser können sich die Arbeit der Stuflesser auf deren Homepage und Facebook-Seite ansehen)

Ubersetzungen von Teresa Schilling

DER PROTAGONIST

Wenn  du der Teufel wärest und eine europäische katholische Kirche auseinanderreißen wolltest, die ihre Flügel nach diesem fürchterlichen Jahrzehnt des II. Weltkrieg ausgebreitet hatte, was würdest du tun?

Ich spreche von der Zeit der 1950er Jahre. Wenn du also der Teufel wärest, wie würdest du vorgehen?

Nun, du würdest einen Protagonisten, einen Schauspieler finden. Jemand Verlässlichen. Jemanden, dessen Besitz du ein Leben lang vergrößern könntest. Jemand Junges, leicht beeinflussbar. Jemand, der nach Ruhm und Reichtum hungert, unter einem frommen Schein.

Der Protagonist müsste natürlich ein frommes Äußeres haben, weil er  Mitglied der Kirche sein müßte. Er dürfte nicht identifizierbar sein mit offen satanischen Kräften, die ihr so erfolgreich entfesselt habt im XX. Jahrhundert. Kein Marxist. Kein Kommunist. Kein Nazi.

Er dürfte nicht identifizierbar sein mit offen satanischen Kräften, die ihr so erfolgreich entfesselt habt im XX. Jahrhundert. Kein Marxist. Kein Kommunist. Kein Nazi.

 Jemand völlig Vernünftiges. Jemand, der sich um die Armen kümmert, die Umwelt und die Rechtlosen.

Natürlich musst du ihm die Mittel geben, die er braucht, um die Zerstörung weit und breit zu streuen. Geld!  Nützliche Idioten!  Diese Dinge, die im Fahrwasser des II. Weltkriegs zu einem Technologieschub im Bereich Kommunikation führten, könnten als Vorteil benutzt werden.

Natürlich muß der Protagonist höchst korrumpierbar sein. Ein Schwächling, dem Luxus verfallen vielleicht, oder einer, der sich den fleischlichen Lüsten hingibt?

Er sollte seinen Appetit befriedigt bekommen, oh ja! Achte darauf!

Die finanzielle Basis des Protagonisten sollte gesichert sein. Er darf nicht durch finanzielle Probleme abgelenkt werden! Es wäre ein guter Schachzug, sein Einkommen an ein junges, aufstrebendes Unternehmen zu binden.  Und sein Erfolg oder Scheitern in seinem sichtbaren  „Job“ sollte nicht an sein Einkommen gebunden sein.  Das sollte völlig unabhängig sein. Das Geld muß fließen, egal ob er sein „Job“ macht.

Die finanzielle Basis des Protagonisten sollte gesichert sein. Er darf nicht durch finanzielle Probleme abgelenkt werden!

Und natürlich muß ein bißchen Überwachung sein;  um ihm freie Hand zu geben.

Nun, es wird wichtig sein, den Protagonisten abzuschirmen, damit er alle seine Zeit penibel den destruktiven Mitteilungen widmen kann. Diese Arbeit kann vom Sprecher gemacht werden. Professoren der Theologie, zum  Beispiel, deren tägliches Brot abhängig ist vom guten Willen des Protagonisten. Sie können geschützt fleißig an der intellektuellen Unterminierung der Kirche arbeiten – alles in der Sicherheit ihrer Stellung innerhalb der Kirche. Sie können bitten, daß sich Rom seiner Lehre entledigt, sich vom Katechismus befreit. Sie können die Anfragen der Gläubigen als uninformiert und/oder ungebildet missachten.

Sie werden von den Medien sicherlich dafür Applaus ernten; sie werden die Helden darstellen.

Nein, der Protagonist müßte seinen natürlichen Begabungen entsprechend eingesetzt werden, z. B. sein Managementtalent. Er müsste natürlich sehen, daß die „Kunden“ der Kirche, nämlich die Gläubigen, nichts anderes als Quälgeister sind. Die wenigsten von ihnen stehlen ihm die Zeit, umso besser. Also, seine Priester müßten daraufhin ausgebildet werden zu glauben, daß der Nonsens, den die Theologen von sich geben, aktuell ihr Glaube sei.

Also, seine Priester müßten daraufhin ausgebildet werden zu glauben, daß der Nonsens, den die Theologen von sich geben, aktuell ihr Glaube sei.

Das ist also überhaupt keine Theologie! Die alte scholastische „Theologie“ muß verspottet und ins Lächerliche gezogen werden, die „Sakramente“ müssen widerwillig gespendet werden, in ihrer schwächsten Form.

Natürlich wird all dies Berufungen entmutigen, was für eine herrliche Perspektive! Die wenigen verbliebenen Gläubigen können von aus Indien und Afrika importierten Priestern versorgt werden, dankbar für die Almosen, die sie erhalten und an ihre hoffnungslos armen Diözesen schicken. Nur spärlich die Sprache sprechend, machen sie kaum Ärger.

Selbstverständlich, wenn sich die Gelegenheit bietet, wird er nicht zögern, mafiaartig den Tyrannen zu spielen. Es wird sich für seine Schergen als heilsam erweisen, ab und zu mal ein Opfer zu sehen. Vielleicht ein Bischof aus einer wohlhabenden und noblen Familie, ausgestoßen und beschämt vor der ganzen Nation?  Aber ich schweife ab.

Vielleicht ein Bischof aus einer wohlhabenden und noblen Familie, ausgestoßen und beschämt vor der ganzen Nation?

Zum Schluss die Todsünde: Stolz. Er muß ein stolzer Mann sein und er muss seinen persönlichen Stolz tief verbinden mit eurer satanischen Sache. Er muß glauben, daß das, was er tut, die Sache Christi auf Erden weiterbringt.
Natürlich bis es zu spät ist. Das ist der Zeitpunkt, wenn ihr ihm volle Einsicht gewährt – den totalen Überblick – so dass er die Zerstörung, deren Agent er war, sehen kann, die zahllosen verlorenen Seelen. Ihr werdet aber sicherstellen, daß er das erst in der letzten, qualvollen Stunde auf dieser Erde sieht, möglichst bei seinem letzten Atemzug.

Dadurch wird es viel zu spät sein, und er wird nur Teufel sehen, eure Schergen, die ihn umschwärmen. Exakt so wie die Volksmärchen vom Tode einer euerer anderen großen europäischen Erfolgsgeschichten,  Napoleon Bonaparte.
Natürlich, wenn er einst stirbt, wird er genau diese Art von Kirche hinterlassen, die das Volk am meisten hasst. Aufgedunsen vom Reichtum, mit der Korruption liiert. Durchsetzt mit stolzen Klerikern, die nach den Zügeln in den Händen des toten Protagonisten greifen.

Dadurch wird es viel zu spät sein, und er wird nur Teufel sehen, eure Schergen, die ihn umschwärmen. Exakt so wie die Volksmärchen vom Tode einer euerer anderen großen europäischen Erfolgsgeschichten,  Napoleon Bonaparte.

Perfekt für die Säkularisation vorbereitet. Nochmals.

Der Protagonist wird natürlich in der Lage sein, seine Begabungen und Gefälligkeiten in seine enorme Arbeitskraft zu investieren. Das wird die Gelegenheiten minimieren, sein erstes Talent, die Einschüchterung, einzusetzen zu müssen.

Natürlich wird es wichtig sein, dem Protagonisten vor Kritik Schutz zu geben. Das Beste ist, ihn in einem Land zu finden, wo den Menschen seit Jahrhunderten beigebracht wurde, die Großen und Mächtigen nicht zu kritisieren.

Ein Land wie Deutschland  – vielleicht?

Aachen, Cologne,2014 141Perfekt für die Säkularisation vorbereitet. Nochmals.

Bayerische Wanderung

von Tamara Isabell

Eine der vielen Freuden beim Besuch Bayerns liegt darin, diese wunderschöne Landschaft zu entdecken. Papst Benedikt hat seine Heimat „ein Land so wunderschön, dass man gleich erkennen kann, dass Gott gut ist, und wir glücklich sein dürfen“ genannt. Wenn wir durch eine solche schöne, wohlgeordnete Landschaft wandern, werden wir Gott zwangsläufig begegnen.

Eine natürliche Landschaft als „wohlgeordnet“ zu betrachten,  mag einem Amerikaner fremd erscheinen, da unsere Wälder in einer Art von dunkler und dorniger Wildnis hochragen; aber in Bayern kann niemand solche Unbilden antreffen, Bayernland ist gesegnet mit sanften Hügeln, sich durch die Landschaft windenden Bächen und vor Gesundheit strotzendem Grün.

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Die Bayern haben sich seit Ewigkeiten diese bevorzugte Ordnung erkämpft um die Werte des Bodens zu bewahren und verbessern. Die Dörfer sind diskret in Seitentälern versteckt, wo sie keine urbane Größe erreichen können. Geschickte Forstwirtschaft hat die Wälder gleich bewohnbar für Mensch und Wild gemacht. Überall sieht man Zeugnisse von Gottes großzügiger Vorsehung und den Respekt vor dieser Vorsehung.

Was braucht man mehr an Perfektion für das Erblühen des Katholizismus?   Wir wissen, der Glaube findet überall Halt, aber man hat den Eindruck, dass es in einer solchen Umgebung vorprogrammiert ist, wo die materielle Welt so deutlich nach Seiner Herrlichkeit greift und sie bezeugt.

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Wir können uns Bonifatius und sein frühes Zusammentreffen mit den umherziehenden Stämmen in diesem Land gut vorstellen. Waren die Wälder in jenen heidnischen Zeiten dunkler und unruhiger? Dennoch, Bonifatius erkannte es als ein Land, das nur ein wenig Fleiß seitens des Menschen im Dienst des Herrn benötigt, um es vollkommen zu machen. So nahm er seine Axt heraus, baute aus Donareichen Kirchen und erlaubte der Gnade Gottes, Heiden zu Christen zu schlagen wie man Ritter schlägt.

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Und die Früchte seiner Anstrengungen dauern fort.

Die heutigen Bayern sind Erben dieser katholischen Landschaft, geschaffen von Gott, aber verschönt durch die hingebungsvolle schwere Arbeit der Vorfahren. Es ist unmöglich auf einer bayerischen Straße um eine Kurve zu fahren, ohne auf eine Kapelle am Straßenrand zu stoßen, ohne an einem Wegkreuz vorbei zu kommen oder eine Marienstatue oder Heiligenstatue verehren zu können.

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Religiöse Wandmalereien schmücken die schönen bayerischen Fachwerkhäuser. Die weltberühmten Oberammgauer Passionsspiele werden seit nahezu 400 Jahren regelmäßig aufgeführt, mit allen Anzeichen, dass dies auch die nächsten 400 Jahre so sein wird. Viele Feste umranken die Ernte; religiöse Ereignisse in einem bestimmten liturgischen  Rhythmus, alles Mögliche feiernd, vom einfachen Spargel bis zu den regionalen Weinen, mit einer entschieden christlichen Freude am Einfachen und Natürlichen.

Während die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) Kirchenaustritte konstatiert (Anm. d. Herausgebers: weniger als 30% der Deutschen identifiziert sich als „katholisch“ – man schaue hier nach den Gründen), Bayern hält starke 55%. Das rührt von der Anbindung der Region an den Katholizismus der Vorfahren, so daß es unvorstellbar ist, diesen Bund völlig aufzugeben. Die Bayern möchten es nicht aufgeben, sich selbst als Katholiken zu bezeichnen, genauso wenig wie sie es nicht aufgeben werden, sich als Bayern zu bezeichnen, und zwar aus denselben Gründen. Es ist ihre ehrenhafte und historische Identität, Bayer zu sein, bedeutet Katholik zu sein, und beide Eigenschaften haben denselben Ursprung.

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Der unbeugsame Freiheitsdrang des Bayern ist an den Zyklus der natürlichen Umgebung gebunden, und sein Katholizismus ist Ergebnis und Widerschein eben dieser Umwelt. Obwohl der postmoderne Säkularismus Europa als Ganzes angesteckt hat, kann und wird er nicht dasselbe in Bayern erreichen.

Während Gott den abgefallenen Katholiken erlaubt, ein bisschen zu streunen, bevor er sie wieder zurückruft zu dem, was sie vergessen haben, werden die Bayern immer aufgerufen sein, die Schönheit der Natur rundum wieder zu entdecken. Die Lebensmuster, welche in diese natürliche Ordnung eingefügt wurden, bilden einen Rhythmus, der auf Gott zurückgeht.

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Obwohl der postmoderne Säkularismus Europa als Ganzes angesteckt hat, kann und wird er nicht dasselbe in Bayern erreichen. Während  Gott den abgefallenen Katholiken erlaubt, ein bisschen zu streunen, bevor er sie wieder zurückruft zu dem was sie vergessen haben, werden die Bayern immer aufgerufen sein, die Schönheit der Natur rund herum wieder zu entdecken. Die Lebensmuster, welche in diese natürliche Ordnung eingefügt wurden,  bilden einen Rhythmus, der auf Gott zurückgeht.

Nur in einem Land, das Gottes eigene Schönheit widerstrahlt, kann man so weit wandern. Alle Wege in Bayern führen zurück zum Schöpfer, und der Wanderer entdeckt glücklich, daß Er gut ist.

FOTOS von Migdalia Mass und Tamara Isabell

Wenn die Weinberge sprechen könnten

Deutschlands bestgehütetes katholisches Geheimnis

Vergesst die Skandale um rebellierende Bischöfe. Ignoriert die leeren Kirchen. Schaut stattdessen auf das Land selbst, und die Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland wird sich zeigen.

Weinberge erheben sich kilometerweit terrassenförmig über der sich windenden Mosel und umschließen den Rhein.

„Wie viele von euch sind hier aufgewachsen?“, fragte ich kürzlich eine Klasse von deutschen Jugendlichen. 90% der 16-jährigen hoben ihre Hände. „Okay, wer hat diese Weinberge angelegt?“

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Die deutschen Schüler ratlos machen

Ich zeigte aus dem Fenster auf die sich endlos sanft zum Rhein hinunter windenden Weinberge. Die Schüler tauschten Blicke, Achselzucken.

„Die Römer?“, traute sich ein tapferer Junge, dessen Familie ein Weingut betreibt.

„Nein“, sagte ich. „Versuchen wir es noch einmal. Wer hat die Bäume gefällt, wer hat die Stümpfe weggetragen und all diese Quadratkilometer Land bereitgestellt, um Trauben anzubauen? Ich gebe euch einen Tipp. Es geschah lange vor Elektrizität und Verbrennungsmotoren.“

Keine Ahnung.

„Wer hat die Weinpressen gebaut? Wer die Wissenschaft des Weinbaus entwickelt?“

Die Klasse war ratlos.

„Es war die Kirche,“ erzählte ich ihnen schließlich grinsend. Sie schauten den Priester, dessen Klasse ich unterrichtete, völlig verblüfft an. Ist das wirklich wahr?

 „Ich kann es nicht glauben,“ die beobachtende Lehrerin (ein Laie) war etwas verlegen. „Warum wisst ihr das nicht?“, fragte sie kopfschüttelnd.

Wie kann das sein? Natürlich ist die Antwort, dass es ihnen nie erklärt wurde. Niemand – weder ihre Eltern, noch die katholischen Schulen, die sie besuchten. Offensichtlich scheute sich jeder das zu lehren, was augenscheinlich ist.

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Eine von der Kirche geprägte Kultur

Nichtsdestotrotz sind dies die Tatsachen: Ohne dass diese Teenager es wissen, leben sie in einer Kultur, die von der Kirche geprägt wurde.

Es waren nicht nur Weinberge, bzw. Weinherstellung. Die Kirche brachte  Ingenieurwesen, Medizin, Bildung – die ganzen Segnungen der Zivilisation – nach Deutschland. Der heutige Rheingau ist der lebende Beweis dafür.

Die 32 Kilometer lange Strecke entlang des Rheins ist eine Landschaft, die von Generationen von Mönchen akribisch aus der Wildnis herausgearbeitet wurde. Alte Abteien krönen die Berggipfel. Winzigkleine Kapellen, liebevoll erhalten durch unbekannte Hände,  sind über die Hügel verstreut.

Weltberühmte Rieslinge wurden hier schon Jahrhunderte, bevor Martin Luther das Tageslicht erblickte, durch den Weinbau der Kirche erzeugt. Vom Weinberg eines monastischen Klosters (dem „Steinberg“) wird gesagt, dass er einer der heutzutage meistbegehrten Weißweine der Welt produziert.

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All dies ist die beharrliche Arbeit von Jahrhunderten.  Die Zisterzienser waren die Gestalter des Landes und ihr Werk kann man überall sehen. Wo sich einst von Mücken befallene Sümpfe ausbreiteten, fließen heute Bäche durch geordnete Reihen von Reben  tanzend hinunter in den Rhein.

Neben ihren beeindruckenden Weinbaufähigkeiten, feierten die Benediktiner die antike Liturgie. Karmeliten waren die Kontemplativen. Die Ursulinen unterrichteten die Kinder. Hier im Rheingau besaßen sogar die bekanntermaßen strengen Jesuiten Weinberge.

Sie alle sind gegangen bis auf die Benediktinerinnen der Abtei St. Hildegard. Dies alles ist den Wochenendtouristen aus Frankfurt oder den Schiffstouristen auf dem Rhein unbekannt.

Sogar die Menschen aus dem Rheingau, mit Recht stolz auf ihr Land, tappen bezüglich ihrer Geschichte im Dunkeln.

Warum ist das so?

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Katholische Buben gekidnappt

„Die Kirche war verhasst“, beharrt ein Gastwirt, mit einem Amateurinteresse an lokaler Geschichte. Wir haben es uns in seinem Michelinstern gekrönten Restaurant in einem Gebäude aus dem 16. Jhd. gemütlich gemacht. „Sie waren reich und arrogant.“

Sie waren gezwungen den Zehnt zu zahlen.

Fühlten sich die Menschen der  Regierung den Hessen zugeneigter?

photo(4)„Sie waren nicht besser. Kennen Sie diese hessischen Soldaten, die im amerikanischen Revolutionskrieg kämpften?“, fragte er. Die George Washingtons Truppen im Schlaf ermordeten an Heiligabend, nachdem sie den Delaware überquert hatten.“

„Sie waren Bauern aus dem Rheingau und wurden aus dem Weinberg vertrieben – verkauft wie Rinder für Geld – kamen sie durch die örtlichen Fürsten zu den Briten, um in ihrem blutigen Krieg in Amerika zu kämpfen. Sie hatten keine Chance, diese armen Mistkerle. Die Glücklichen von ihnen liefen vor den Rotröcken weg. Sie desertierten, fanden Arbeit und Frauen und wurden Amerikaner.“

Und die Kirche hat ihre Stimme nicht zum Protest gegen diese Verbrachen erhoben?

„Die Regierung war protestantisch.“ sagte er schulterzuckend. „Sie würden nicht ihre eigenen Söhne entführen und in den Krieg schicken.

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Es war viel einfacher, die katholischen Söhne den protestantischen Briten zu verkaufen. Was konnte die Kirche auch tun? Beten?“

Warum waren die dort lebenden Deutschen so unwissend bezüglich ihrer eigenen Geschichte?

„Weil wir nur über das 20. Jahrhundert unterrichtet wurden,“ erklärte der Wirt kopfschüttelnd. „Die alten, schrecklichen Jahre. Den Hunger. Erster Weltkrieg. Der Naziterror. Zweiter Weltkrieg. Das Bombardement. Den Tod. Dann der Wiederaufbau, die großen Errungenschaften der Nachkriegsgeneration. Wir lernten fast nichts über die Jahre vor dem 20. Jahrhundert. Es ist so, als existierten sie nicht. Doch wie Sie sehen können, leben wir mittendrin, umgeben von sichtbaren Beweisen der Geschichte, von der wir kaum wissen, dass sie existierte.

„Wir denken, wir wären so klug, wir Deutschen. Aber wir sind unwissend gegenüber dem, was wir sind.“

Das ist Deutschlands bestgehütetes katholisches Geheimnis.

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Text von Beverly Stevens

Fotos von Harry Stevens

Zita, katholische Kaiserin im Exil

2014  markiert 100 Jahre seit Beginn des „Großen Krieges“  (Weltkrieg I), der die europäische  Zivilisation in einer Weise zerriß, die wir erst jetzt anfangen zu begreifen.  Im Rückblick auf diese turbulente Ära,  rückt Meghan Ferrara eine dauerhafte katholische Ehe ins Rampenlicht, welche sich an der Spitze der europäischen Gesellschaft befand  –   auf dem ehemaligen Thron des Heiligen Römischen Reiches.

Von Meghan Ferrara

Auf  den Hochzeitphotos sind sie so jung, so fern von jenen Tagen, als der Krieg ihr beider Leben zerriß. Sie, vor allem, ist strahlend. Es ist schwer zu glauben, wenn man das Lächeln der glücklichen Braut betrachtet, das sie und ihr Ehemann dazu bestimmt waren, im Mittelpunkt  einer der größten Konflikte des 20. Jahrhunderts zu sein.

Mitten im I. Weltkrieg –  den Papst Benedikt XV. vergeblich versuchte zu verhindern –  auf Grund  einer Serie von außergewöhnlichen Ereignissen, bestiegen Karl und Zita von Habsburg den Kaiserthron von Österreich-Ungarn.  Nach dem Tode von Kaiser Franz-Joseph im November 1916 wurden sie Kaiser und Kaiserin aller Österreich-Ungarischen Territorien. Nach dem „Krieg aller Kriege“ würden sie vom kaiserlichen Thron abgesetzt und aus Österreich vertrieben werden.

Ihre Regentschaft, obwohl kurz, und ihr Erbe, hinterließen eine unauslöschliche Wirkung auf die moderne Geschichte.  Ihre tiefe Bindung im Glauben manifestierte sich in allen Epochen ihrer beider Leben. Heute sind beide, Karl und Zita,  in einem Kanonisierungsprozeß, eine seltene Tatsache in unseren modernen Zeiten.

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Am Ende des Krieges, würden Karl und Zita vom kaiserlichen Thron abgesetzt werden, und  aus Österreich exiliert. Ihr Regentschaft obwohl kurz, und ihr Erbe, würden eine unauslöschliche Wirkung auf die moderne Geschichte haben.

Schon in frühen Jahren  besaßen beide, Karl und Zita, eine große Ehrfurcht gegenüber dem Glauben. Der tägliche Besuch der Heiligen Messe und der regelmäßige Empfang der Sakramente war Routine in Karl’s und Zita’s Kindheit; sie setzten diese Praxis mit ihren eigenen Kindern fort. Darüber hinaus entwickelten sie beide eine besondere Verehrung für das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens  und das Altarsakrament. 

Ein wesentlicher Bestandteil von Karl’s und Zita’s Erziehung war ein scharfes Bewusstsein für die schwächsten und verletzbarsten der Gesellschaft und der Wunsch, ihnen zu helfen. Jeder von ihnen verschenkte Geld,  Kleider und anderes Nötige an die Bedürftigen. Trotz ihres königlichen Ranges, lehrte der Glaube Karl und Zita sich ein gebendes Herz zu bewahren gegenüber den Armen.

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Prinzessin Zita von Bourbon-Parma war eine geborene Zita Maria delle Grazie Adelgonda Micaela Raffaela Grabriella Giuseppina Antonia Luisa Agnese, am 9. Mai 1892 in Parma,  Italien.  Sie traf Karl das erste Mal als sie Kinder waren und sie spielten fröhlich mit einander. Ihre Freundschaft wurde schnell wieder entfacht, als sie sich wieder trafen als junge Erwachsene.  Obwohl die Hochzeit dynastisch war, war ihre Vereinigung eine echte Liebesheirat. Karl und Zita waren liebevoll einander zugetan und fuhren fort einander zu unterstützen,  trotz der Schwierigkeit denen sie sich gegenüber sahen.

Für Karl und Zita war ihre Hochzeit eine von Gott gesegnete sakramentale Vereinigung mit besonderen Gnaden.  Am tag vor der Hochzeit bemerkte Karl gegenüber Zita: „ Jetzt müssen wir jedem anderen helfen, den Himmel zu erreichen“.

Karl und Zita

Diese Überlegung wurde die Basis ihrer Ehe und ihres Familienlebens, auf der sie ihre acht Kinder groß zogen, mit derselben Liebe zu Christus und zur Katholischen Kirche, die sie gemeinsam teilten. Als sein ältester Sohn, Otto, die Erste Heilige Kommunion erhielt, weihte Karl seine Familie dem Heiligsten Herzen Jesu.  Häufig erteilten Karl und Zita persönlich den Kindern Katechismusunterricht und Zita führte diese Tradition mit ihren Enkelkindern fort.

Karl und Zita zogen ihre Kinder groß mit derselben Liebe zu Christus und zur Katholischen Kirche, die sie gemeinsam teilten. Als ihr ältester Sohn, Otto, zur Ersten Heiligen Kommunion kam, weihte Karl seine Famille dem Heiligsten Herzen Jesu.

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Karl folgte der katholischen Lehre in allen Epochen seines Lebens, einschließlich seines politischen Lebens! Obwohl er gut auf den kaiserlichen Thron vorbereitet war, war Karl’s politisches Leben voll von extremen Schwierigkeiten und Gefahren.

Als Soldat kannte Karl aus erster Hand und eigenem Zeugnis die Zerstörungen des Krieges. Als er den Thron bestieg, war sein größter Wunsch der Frieden, was ihm den Spitznamen „Friedenskaiser“ einbrachte.  Indess, es waren wenige, die Karl’s Vision teilten, und die Isolation ging ihm zu Herzen.  Seine Berater blockierten seine Anstrengungen und sogar, in manchen Fällen, verrieten sie ihn. Karl,  zusätzlich zur Frage des Kriegsendes und inspiriert durch die päpstliche Enzyklika Rerum Novarum,  setzte viele soziale Neuerungen in die Praxis um, seinem Volk zu helfen, so z. B. eine Rente und ein Wohlfahrtsystem.

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Zita arbeite „in tandem“ mit ihrem Ehemann, sie besuchte häufig Pflegeeinrichtungen und Hospitäler,  machte Freiwilligenarbeit beim Roten Kreuz und, wenn es möglich war, reiste sie mit ihm. Als Herrscher stellte das kaiserliche Paar den Dienst für das Volk über alles andere, in Übereinstimmung mit ihrem Krönungseid und ihren Prinzipien des katholischen Königtums. Diese Verpflichtung zum Dienst  überdauerte lange Zeit nach dem Exil in Folge des Krieges und blieb ein wichtiger Aspekt ihres heutigen Familienlebens.

Karl verstarb 1922 im Exil auf Madeira. Kurz vor seinem Tode sagte er zu Zita: „ Wir werden immer verbunden sein im Heiligsten Herzen Jesu.“ Die letzten Worte, die Karl sprach, das Kruzifix küssend, waren. „ Jesus, mein Jesus.“

Den Mut, den Karl seinen Tod akzeptierend  demonstrierte und  Zita in Zukunft ein Leben  ohne ihren Ehemann  zu führen, annahm, reflektierte ihr tiefes Vertrauen in die Vorsehung Gottes. Selbst konfrontiert mit der Witwenschaft,  schwankte die Kaiserin niemals in ihrem Vertrauen auf Gott, der Kindererziehung, dem Erbe der Habsburger. Zita blieb Zeit ihres Lebens ihrer Famille, ihrem Volk,  ihrem Glauben, ergeben!

Zita wurde 100 Jahre alt, sie verstarb am 14. März 1989. Heute ist das Kanonisierungsverfahren für den  seligen Kaiser Karl und der Dienerin Gottes Zita von Österreich nur die nächste Station der Reise dieses heiligen Ehepaares.

Selbst konfrontiert mit der Witwenschaft schwankte die Kaiserin niemals in der Erziehung der Kinder und dem Schutz des Erbes der Habsburger in ihrem Vertrauen zu Christus. Zita blieb Zeit ihres Lebens ihrer Famille, ihrem Volk, ihrem Glauben, ergeben.

‘Komm, wir gehen für unser Volk’

Sankt Edith Stein

Sie war eine intellektuelle Jüdin und Karmelitin, und sie wurde von den Nazis in Auschwitz umgebracht. Heute ist sie eine katholische Heilige.

Die Geschichte von Edith Stein beginnt am Jom Kippur 1891, dem Versöhnungstag: sie wurde als jüngstes von elf Kindern eines jüdischen Holzhändlers in Breslau geboren. Als sie zwei Jahre alt war, starb ihr Vater und ließ ihre fromme Mutter zurück, die hart arbeitete, um die Familie alleine durchzubringen. Doch der vorherrschende Säkularismus in deutschen intellektuellen Kreisen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bewirkte, dass die junge Edith und ihre Geschwister den Glauben ihrer Mutter an Gott verloren.

Im Alter von 14 Jahren „entschied ich bewusst, aus eigenem Antrieb, nicht mehr zu beten“, schrieb Edith Jahre danach. Später studierte Edith an der Universität Göttingen bei dem berühmten Professor Edmund Husserl. Sie war eine brillante Studentin und radikale Frauenrechtlerin mit einem leidenschaftlichen Interesse an Philosophie. Husserl bestritt die Behauptung Kants, dass jede Realität subjektiv sei, und diese Ansicht hatte die unbeabsichtigte Wirkung, dass sie viele seiner Schüler zum Christentum führte.

Später jedoch nahm Edith an einer Ausbildung zur Krankenschwester teil, und bald darauf fand sie sich in einem österreichischen Feldlazarett wieder, mitten in der Typhusepidemie des Ersten Weltkrieges. Sie assistierte in einem Operationssaal und erlebte, wie junge Menschen starben. Es war zuviel für sie.

Noch bevor der Krieg zu Ende war, floh sie vom Schlachtfeld und folgte ihrem Mentor an die Universität nach Freiburg. 1917 promovierte sie mit der Doktorarbeit „Zum Problem der Einfühlung“ mit summa cum laude. In ihrer Dissertation schrieb sie: „Es gab Menschen, die glaubten, dass sich in ihnen ein plötzlicher Wandel vollzogen habe, und dass dies die Wirkung der Gnade Gottes gewesen sei.“

Eines Tages sah Edith erstaunt, wie eine einfache Frau mit einem Einkaufskorb in den Dom ging und zu einem kurzen Gebet niederkniete. „Das war für mich etwas ganz Neues“, schrieb sie. „In die Synagogen und in die protestantischen Kirchen, die ich besucht hatte, ging man nur zum Gottesdienst. Hier aber kam jemand mitten aus dem Trubel des Marktplatzes in die menschenleere Kirche wie zu einem vertrauten Gespräch. Das habe ich nie vergessen können.“

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Kloster Beuron, wo Edith Stein nahm Anweisungen in das Christentum von dem Abt in den 1920er Jahren.

Der nächste Schritt zu ihrer Konversion kam, als Edith ihre Freundin, Frau Reinach, besuchte. Sie war eine junge, trauernde Kriegerwitwe. „Das war meine erste Begegnung mit dem Kreuz und mit der Kraft, die es jenen verleiht, die es tragen … es war der Moment, als mein Unglaube zusammenbrach, und Christus begann, mich mit seinem Licht zu erleuchten – Christus im Mysterium des Kreuzes.“

Obwohl sie den Doktorgrad erworben hatte, durfte sie nicht an einer Universität lehren, weil sie eine Frau war. (Jahre später, als auch Frauen Professoren waren, wurde sie abgelehnt, weil sie Jüdin war.)

Deshalb ging sie zurück in ihre Geburtsstadt Breslau, wo sie in den folgenden Monaten das Neue Testament, Kierkegaard und die Geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola las. Im Sommer 1921 las Edith die Autobiografie der hl. Theresa von Avila. Sie las die ganze Nacht hindurch.

„Als ich das Buch beendet hatte, sagte ich zu mir selbst: Das ist die Wahrheit“, schrieb sie. Am 1. Januar 1922, mit 31 Jahren, wurde sie getauft. Später wurde sie vom Bischof von Speyer in dessen Privatkapelle gefirmt, und danach lehrte sie beinahe zehn Jahre lang Deutsch und Geschichte am Gymnasium der Dominikanerinnen in Speyer. 1932 hielt sie Vorlesungen an der Universität Münster.

Als sie in ein Karmelitinnenkloster eintreten wollte, brachte der Bischof sie von diesem Vorhaben ab. „Während der Zeit meiner Konversion, unmittelbar davor und auch noch einige Zeit danach … dachte ich, dass ein religiöses Leben zu führen bedeute, alle irdischen Dinge aufzugeben und seinen Geist ganz auf göttliche Dinge auszurichten. Nach und nach lernte ich jedoch, dass von uns in dieser Welt Anderes erwartet wird … ich glaube sogar, dass jemand, je stärker er zu Gott hingezogen wird, desto mehr sich selbst überwinden muss, in dem Sinne: in die Welt gehen und göttliches Leben hineintragen.“

Stein war eine produktive Übersetzerin und Autorin. Sie übersetzte die Briefe und Tagebücher von Kardinal Newman aus seiner anglikanischen Zeit, ebenso wie die Quaestiones disputatae de veritate  des hl. Thomas von Aquin. Sie schrieb „Akt und Potenz“, eine Studie über zentrale Begriffe, die von Thomas von Aquin entwickelt wurden.

1933 kam Hitler an die Macht. Die Nazis machten es Edith unmöglich, weiter zu lehren. „Ich hatte schon zuvor von schlimmen Maßnahmen gegen Juden gehört. Aber jetzt wurde mir bewusst, dass Gott Seine Hand schwer auf Sein Volk gelegt hatte, und dass das Schicksal dieser Menschen auch meines sein würde“, schrieb sie. „Wenn ich hier nicht weitergehen kann, dann gibt es für mich in Deutschland keine Möglichkeiten mehr. Ich war eine Fremde in der Welt geworden.“

Sie beschloss, in das Karmelitinnenkloster von Köln einzutreten. 1938 schrieb Edith Stein, nun als Schwester Theresa Benedicta a Cruce: „Ich verstand das Kreuz als Bestimmung des Volkes Gottes, das sich zu dieser Zeit abzuzeichnen begann (1933). Ich fühlte, dass diejenigen, die das Kreuz Christi verstanden, es auf sich nehmen sollten, stellvertretend für alle. Sicher weiß ich jetzt besser was es bedeutet, im Zeichen des Kreuzes mit dem Herrn verheiratet zu sein. Doch man kann es nie begreifen, denn es ist ein Mysterium.“

„Die in den Karmeliterorden eintreten sind für ihre Lieben nicht verloren, sondern wurden für diese gewonnen, weil es unsere Berufung ist, für alle bei Gott einzutreten“, schrieb sie am 31. Oktober 1938. Ich denke immer an Königin Esther, die genau deshalb von ihrem Volk weggeholt wurde, weil Gott wollte, dass sie den König für ihr Volk anflehte. Ich bin eine sehr arme und machtlose kleine Esther, aber der König, der mich erwählt hat, ist unendlich groß und barmherzig. Das ist ein großer Trost.“ (31. Oktober 1938)

Zehn Tage später lief die gewaltsame Verfolgung der deutschen Juden auf Hochtouren, und Ediths Priorin versuchte verzweifelt, sie über die Grenze in die Niederlande zu einem Karmel in Echt zu schmuggeln. Dort schrieb sie „Der Kirchenlehrer der Mystik und Vater der Karmeliten, Johannes vom Kreuz – anlässlich der 400-Jahr-Feier seiner Geburt: 1542-1942.“

Edith Stein wurde am 2. August 1942, als sie sich mit den anderen Schwestern in der Kapelle aufhielt, von der Gestapo verhaftet. Es wurden ihr fünf Minuten gewährt, sich fertig zu machen, zusammen mit ihrer Schwester Rosa, die ebenfalls Nonne war. Ihre letzten Worte dort waren an Rosa gerichtet: „Komm, wir gehen für unser Volk“.

Ihre Verhaftung – zusammen mit anderen getauften Juden – war eine Vergeltungsmaßnahme der Nazis wegen eines Protestschreibens der katholischen Bischöfe Hollands gegen die Pogrome und die Deportationen der Juden.

Am 7. August 1942, früh morgens wurden 987 Juden nach Auschwitz deportiert. Unterlagen weisen darauf hin, dass sie und ihre Schwester wahrscheinlich am 9. August vergast wurden.

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Die hl. Edith Stein wurde am 1. Mai 1987 in Köln seliggesprochen. Der selige Papst Johannes Paul II. sagte, die Kirche ehre „eine Tochter Israels, die als Katholikin während der Verfolgung durch die Nazis dem gekreuzigten Herrn Jesus Christus und als Jüdin ihrem geliebten Volk treu geblieben ist.“

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Reliquiar der Edith Stein

Die jungen deutschen Christen, die der Macht gegenüber die Wahrheit sagten.

Von Teresa Limjoco

Einer gebrauchte seinen Glauben als Schutzschild gegen die brutalen Gestapoverhöre; er sagte nichts. Ein anderer konvertierte auf dem Weg zur Guillotine. Alle waren vom heldenhaften Widerstand eines katholischen Bischofs inspiriert.

Heute würden sie wahrlich als sehr seltsam betrachtet. Was sollen wohl moderne Deutsche von Universitätsstudenten mit starkem christlichen Glauben  halten – viele geprägt von einer starken Anbindung an den  katholischen Glauben – welche die Regierung herausfordern? Das ist fast undenkbar.

In dieser Rückschau auf die heroischen jungen Deutschen von der Weiss Rose, die den Naziterror trotzend starben, legt Teresa Limjoco nun offen, woher sie diese Kraft nahmen. 

Es war in den dreißiger Jahren: sie waren jung, gut erzogen und gebildet, bürgerliche Mittelschicht. Sie diskutierten über Philosophie, sangen im Bach-Chor, genossen Musik, Dichtung, Kunst und Bücher. Sie hätten leicht mit diesem Leben fortfahren können; ihr Gewissen aber war erwacht, als sie in den dreißiger Jahren sahen, wie sich Deutschland der Nazibarbarei beugte.
 
 Die Innere Immigration verlassend – viele Intellektuelle wurden ebenfalls davon ergriffen – bildeten sie die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die es wagte, der Macht die Wahrheit zu sagen.

Das sollte sie das Leben kosten!

Der Macht die Wahrheit sagen

Enthusiastische Mitglieder der HJ als Teenies, wurden die Geschwister Scholl desillusioniert durch den antijüdischen Terror des Mobs, als in der Eifrige Mitglieder der Hitler-Jugend, wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl als Teenager zunehmend desillusioniert, als sie das anti-jüdischen  Rowdytum wahrnahmen.

In der Reichskristallnacht, am 9. November 1938, zeigte der Nationalsozialismus sein hässliches, rücksichtsloses Gesicht.

Die Desillusion schlug um in Empörung, als sie von den immer weiter eskalierenden, hasserfüllten Übergriffen gegen wehrlose Juden erfuhren.

1941 hörte Hans von einer Predigt, gehalten von Bischof v. Galen, Bischof von Münster,  in der er tapfer die Euthanasie von Behinderten und psychisch Kranken enthüllte. Dort fand Hans –  Medizinstudent, der als Sanitäter in einer Studentenkompanie an der Ostfront gedient hatte –  seine Inspiration.

Mit den Medizinstudenten Christoph Probst, Willi Graf und ihrem Freund Alexander Schmorell, bildete Hans die „Weiße Rose“, eine der wenigen Gruppen, die gegen Hitlerdeutschland das Wort erhoben. Seine Schwester Sophie und Professor Kurt Huber stießen zu ihnen.

Ihre Waffen? Flugblätter. Das erste, Mitte 1942, stiftete die Deutschen zum passiven Widerstand   gegen die Nazis an,  die sie eine Verantwortungslose Clique, welche die niedrigsten Instinkte freisetzen nannten.

Binnen acht Monaten verteilten sie sechs Flugblätter. Ihre Tätigkeit war jedoch von kurzer Dauer, die Scholls und Probst wurden bald verhaftet. Die „Weiße Rose“ wurde erbarmungslos zerstört.

Ihr sechstes und letztes Flugblatt wurde zwischen dem 16. und 18. Februar 1943,  eine besonders gefährliche Zeit, verschickt. Nach der verheerenden Niederlage von Stalingrad, hielt  Reichspropagandaminister Dr. Josef Göbbels eine ‚Verbrannte-Erde-Rede’ im Sportpalast, die den „Totalen Krieg“ ankündigte. (Zur gleichen Zeit, wie es der Zufall wollte, lag Sophie’s Verlobter, Leutnant Fritz Hartnagel,  in Stalingrad).

Als Schwachstellen für ihre Verletzbarkeit zu Tage traten,  fuhren die Nazis ihre ganze Brutalität auf. Noch mehr Todesurteile wurden gegen Widerständler verhängt. Doch  die Notwendigkeit diesem bösen Wese zu widerstehen, triumphierte über die Angst. Hans und Sophie wußten um das Als Schwachstellen für ihre Verletzbarkeit zu Tage traten, entwickelten die Nazis ihre ganze Brutalität weiter. Noch mehr Todesurteile wurden gegen Widerständler verhängt. Doch  die Notwendigkeit diesem bösen Wesen zu widerstehen, triumphierte über die Angst. Hans und Sophie wussten um das Risiko ihrer schicksalhaften  Entscheidung, die Flugblätter in der Universität zu verteilen. Es dauerte aber nicht lang, bis man sie anzeigte.

Die Nazis verfolgten und exekutierten die drei am 22. Februar 1943 mit ungewöhnlicher Schnelligkeit und Heimlichkeit, aus Angst davor, sie könnten zu Martyrern werden. Das Urteil sollte als Exempel dienen. Nach einem Scheinprozess wurden sie zum Tode durch die Guillotine wegen Hochverrat von Hitlers „Blut-Richter“ Dr. Roland Freisler verurteilt.

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Ihr Glaube

Obwohl ihr unglaublicher Mut sie später zu Filmhelden machte, haben heute die meisten Menschen keine Ahnung, dass diese außergewöhnlichen Taten der Scholls, Christoph Probsts und Willi Grafs auf einem festen Glauben an Gott fußte. Ihr viertes kühnes Flugblatt nannte Hitler den Anti-Christ, und erklärte, dass „einzig der Glaube Europa wiedererwecken kann, die Menschrechte etablieren und das Christentum wieder in neuem sichtbarem Glanz auf der Erde errichtet werden muss, in seiner Macht als Garant des Friedens.“

Die Mutter der Geschwister Scholl war lutheranische Diakonisse, die ihren Kindern aus der Bibel vorlas. Ihr Sohn Hans fand darüber hinaus Führung in katholischen Werken wie den Confessiones des Hl. Augustinus und in den Schriften von Paul Claudel. (3,6)  (Augustinus’ civita Dei fand auch Erwähnung im Flugblatt Nr. drei). Sophie besaß im KZ eine abgenutzte Kopie der Confessiones. Eine Zeile daraus klang besonders in ihr wider:   „Du hast uns auf Dich hin geschaffen, und unser Herz findet keine Ruhe bis es  ruht in Dir.“

Die deutschen Historiker Jakob Knab und Günther Biemer glauben heute, daß die Schriften von Cardinal Henry Newman die moralische, intellektuelle und geistliche Bildung von Hans und Sophie Scholl beeinflussten, einschließlich ihres Verständnisses des christlichen Gewissens.

Professor Carl Muth hatte sie in das Werk des Hl. Augustinus eingeführt, ebenso in die Schriften Cardinal Newmans durch ihren Freund Theodor Haecker. Haecker war Konvertit, er hat Newmans Schriften ins Deutsche übersetzt.  „Gewissen“, schrieb Newman, „ist die Stimme Gottes…“

Offensichtlich schätzte Sophie Newmans Ideen so, dass sie diese mit Frtiz Hartnagel teilte. Sie gab ihm 1942 zwei Bände mit Predigten von ihm.

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Christels Geschichte

Wie viele Deutsche heutzutage, wuchs Christoph Probst ohne Religion auf. Jedoch, als junger Erwachsener fühlte er eine Nähe zur Katholischen Kirche. Die Nachrichten über das Euthanasieprogramm und die Verfolgung der Juden empörten ihn. So schrieb er an seine Schwester Angelika: „ es ist keinem Menschen gegeben, egal unter welchen Umständen, Entscheidungen zu fällen, die nur Gott alleine zustehen. … jedes Leben ist von unschätzbarem Wert. Wir alle sind in der Liebe Gottes.“

Hinweise auf ein siebtes Flugblatt, das von Christel entworfen wurde, führten zu seiner Verhaftung durch die Nazis. Er bat darum, in die römisch katholische Kirche aufgenommen zu werden. Wie sich herausstellen sollte, passierte dies ausgerechnet am Tage seines Todes. Er wurde getauft und bekam die Erste Heilige Kommunion, danach sagte er: „ Jetzt wird mein Tod leicht und voll Freude sein“  Er hinterließ eine Frau, zwei kleine Kinder und ein neugeborenes Baby.

Willi Graf

Willis Geschichte

Als römisch katholischer Katholik fühlte er sehr tief die Verfolgung seiner Kirche durch die Nazis. Durch seinen Dienst als Sanitäter während der Invasion in Polen und in Rußland war Willi entsetzt über die Grausamkeiten, die von der Wehrmacht begangen wurden. Er konnte ein System nur ablehnen, das sich gegen seinen tiefsten Glauben richtete. Er wollte mithelfen bei den Flugblättern, aber im Juli 1943 holte ihn die Gestapo ab.

Er wurde im folgenden Oktober exekutiert; die Gestapo strengte sich an, mehr Informationen aus ihm heraus zu bekommen. Sein Glaube gab ihm die Kraft, den brutalen Verhören zu widerstehen, um die Freunde nicht zu verraten. (2)

An seinem letzten Tag schrieb er an seine Familie: „Heute werde ich dieses Leben verlassen und in die Ewigkeit eingehen. … Ihr werdet Kraft und Trost bei Gott  finden, das ist es, worum ich beten werde bis zum letzten Moment … umarmt alle und steht zusammen in Liebe und Hoffnung … Gottes Segen über uns, in IHM sind wir und leben wir …! (6)

Sophie sieht Naziterror und Tod ruhig entgegen

Alle, die ihre letzten Tage bezeugen, waren betroffen von ihrer Seelenkraft.  Sophies ruhige Standhaftigkeit beeindruckte ihren Verhörführer,  Robert Mohr, so dass er ihr eine goldene Brücke baute: sie sollte zugeben, dass sie missverstanden habe, was Nationalsozialismus bedeutete und dass sie bereue, was sie getan habe.

„Nein, niemals,“ forderte sie ihn heraus, „nicht ich, sondern Sie, Herr Mohr, haben die falsche Weltanschauung. Ich würde das Selbe wieder tun“.

Der Verhörführer selbst, ein altgedienter Führer von tausenden  solcher Verhöre, sagte, er habe noch niemanden gesehen, der so ruhig sein Schicksal angenommen habe, wie Sophie Scholl es tat. Sie war erst 21 Jahre alt.

Nicht Ideologie, sondern Glaube stützte sie

Siebzig Jahre nach ihren Tod, erstaunt dieser außergewöhnliche moralische Mut dieser jungen Menschen heute wieder. Es war keine politische Agenda, auch keine Ideologie, sondern grundsätzlicher menschlicher Anstand und lebensbejahender Glaube, gegründet auf festen religiösen Überzeugungen, auf  welche sich die Martyrer der „Weißen Rose“ stützten.

Hans war 24 Jahre alt, Sophie 21, Christoph 23 und Willi 25, als das Leben dieser mutigen jungen Menschen ausgelöscht wurde.

Möge ihr Mut fortleben und mehr Mut in uns hervorrufen!

Übersetzung: Franz Schönberger und Gordon Broxton-Price